Logo Henriettenstiftung, 150 JahreHenriettenstiftung Historisches Foto: Schwester Marie florales Jugendstil-Muster

Alles unter einem Dach

Eindrücke von Besuchern der beiden Ausstellungen in der Henriettenstiftung

Vier Frauen in der Ausstellung „Diese Schnabeltasse haben wir auch noch unsern Patienten gegeben.“ Und: „Diese altertümlichen Spritzen habe ich noch lange aufgehoben.“ Mit diesen und anderen Erinnerungen konnten die vier Besucherinnen aufwarten, als sie jetzt die Ausstellung „Als die Schwester noch mit dem Fahrrad kam“ besuchten. Mehr als 600 Besucherinnen und Besucher, darunter viele Schulklassen und Gemeindegruppen, haben bislang die ungewöhnliche Erlebnisausstellung besichtigt, so auch diese vier Damen. Sie haben mehrere Jahrzehnte in einer Sozialstation in eine Frau liest in einem großen Buch Hannover gearbeitet und die Wandlungsprozesse in diesem sozialen Feld hautnah mitbekommen. Zuerst war es die Gemeindeschwesternstation, dann – Mitte der 70er Jahre – die Sozialstation und jetzt die Diakoniestation, die sich im Wettbewerb der anderen Anbieter behaupten muss.

Vier Frauen in der Ausstellung

Die Veränderungen lassen sich an Kulturen ablesen. Die Gemeindeschwester nahm sich viel Zeit für Gespräche, aber sie wohnte auch in der Gemeindestation unter einfachen Verhältnissen und war immer für ihre Patienten und deren Familien da. Dann kam die Sozialstation, die mehrere Gemeindeschwestern zusammenfasste. Vertretungsregelungen wurden leichter möglich, die Arbeitszeiten überschaubarer. Aber es wurde damals erstmals auf „abrechenbare Leistungen“ geachtet. Schwestern wurden angehalten, genügend Leistungen zu erbringen, die die Krankenkassen Frauen im Foyer der Henriettenstiftung bezahlten. Und jetzt? Jetzt muss alles finanziert sein zu geringen Preisen mit höchst möglicher Effizienz. Leistungen werden im Minutenraster erfasst. Nur so kann eine Diakoniestation im Wettbewerb der vielen Anbieter bestehen. Für Gespräche bleibt (fast) keine Zeit mehr. Und gerade die sind so nötig…

zwei Frauen im „Schwesternzimmer“ in der Ausstellung Erinnerungen tauschten auch die Oberinnen aus, die aus Norddeutschlands Häusern des Kaiserswerther Verbandes, des Dachverbandes der Diakonissen, zu Besuch in die Henriettenstiftung kamen. Sie probierten denn auch gleich den Cocktailsessel aus, der die fast echt wirkende Fotowand mit Blick in das schlichte Wohn- und Schlafzimmer einer Gemeindeschwester der 50er Jahre zum Erlebnis der Vergangenheit werden ließ. Besonders beeindruckte sie der Margarethen-Schrank, der Gemeindeschwesternstationen vor allem in Norddeutschland zierte. Denn er enthielt viele hilfreiche Utensilien für die Pflege zu Hause. Wer etwas benötigte, lieh sich diese Geräte aus, und wer konnte, zahlte auch noch einen kleinen Obolus als Margarethen-Spende oben in einen kleinen Kasten des Schranks. „Allerliebst“ wirkt so etwas Frau in der Ausstellung am Margarethen-Schrank heute, erläutert Ausstellungsmacherin Ulrike Tüpker, und es hat doch mit fast 1.000 Exemplaren in Norddeutschland die Pflegekultur geprägt. Mit diesen Eindrücken fuhren sie wieder zurück in ihre Einrichtungen z.B. nach Braunschweig, Rothenburg an der Wümme, Lehnin.

zwei junge Frauen lesen in einem großen Buch Gleich alle beiden Ausstellungen in der Henriettenstiftung nahmen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einer Ausbildungsklasse „Sozialassistenz“ mit. „Was ist denn der Sinn dieser Cartoons“, fragte einer der jungen Besucher, und musste denn doch auf eine befriedigende Antwort warten. Karikaturen zum Thema Behinderung können provozieren, nachdenklich machen, zum Gespräch anregen – vor allem aber zum Lachen auffordern. Denn Lachen schafft auch Distanz für eigene junge Menschen in der Phil-Hubbe-Ausstellung Überlegungen. Gegenwärtige und vergangene Berufspraxis konnten sie dann vergleichen in der Ausstellung zur Geschichte der ambulanten Pflege. Für Teilnehmenden war es auch die Auseinandersetzung mit einer ihnen zunächst fernen Welt, denn Worte wie Zuwendung, Mitmenschlichkeit, Empathie erschließen ihnen neue Vorstellungen ihrer Lebenswelt.

 

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