Logo Henriettenstiftung, 150 JahreHenriettenstiftung Historisches Foto: Schwester Marie florales Jugendstil-Muster

Rückspiegel für den Blick nach vorn

Ausstellung „Als die Schwester noch mit dem Fahrrad kam…“ in der Henriettenstiftung eröffnet

Als „brillanten Rückspiegel für den Blick nach vorn“ bezeichnete Cornelia Coenen-Marx die Ausstellung „Als die Schwester noch mit den Fahrrad kam…“. Mit diesen Worten erläuterte sie vor 180 Gästen die Bedeutung der Auseinandersetzung mit Ambulanter Pflege. Der Abt zu Loccum, D. Horst Hirschler eröffnete die Erlebnisausstellung in der Henriettenstiftung am Sonntag, den 9. Mai 2010.

Die Gemeindepflege galt einst als „Krone der Diakonie“. Sie war attraktiv, war die Gemeindeschwester doch die rechte Hand des Pfarrers, so erklärt Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx. Ebenso war im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Diakonissen-Status attraktiv, versprach er doch den Frauen berufstätig sein und in einer familienähnlichen Gemeinschaft bis ans Lebensende leben zu können.

Doch die Veränderungen sind tiefgreifend. Deshalb ist dieses Modell in Frage gestellt. Coenen-Marx nennt drei Stichworte: Frauen – Geld – Glaube.

  1. Frauen können heute Beruf und Familie leichter vereinbaren als es damals der Fall war. Der Diakonissen-Status verliert an Bedeutung. Außerdem wird der von den Diakonissen gepflegte „rund um die Uhr Dienst“ abgelöst durch Schichtarbeit angestellter und professionell tätiger Pflegekräfte.
  2. Der Wohlfahrtsstaat wird abgelöst durch den Sozialmarkt. Dadurch wird die Pflegezeit ökonomisch betrachtet. Es geht der Aspekt der Kommunikation verloren.
  3. Medizinische Heilung wird nicht mehr automatisch mit spirituellem Heil verbunden. Die einst geübte Einheit von Leib- und Seelsorge löst sich auf.

Dennoch spielt Spiritualität gegenwärtig eine Rolle, die in Zukunft stärker werden wird. Das Bedürfnis bleibt, Heilung als personales, existenzielles und religiöses Geschehen zu sehen. Pflege ist auch heute noch wesentlich „Kommunikation“ und „Beziehungsarbeit“, auch wenn sie heute segmentiert und professionalisiert wird. Untersuchungen zeigen: Spiritualität kann Kraftquelle für die Pflegenden sein.

Die künftigen Entwicklungen werden aus der die alte Gemeindepflege wieder aufnehmen. Die stationäre Pflege in den Krankenhäusern ambulantisiert sich. Die Richtung geht zurück ins Wohnquartier. „Ich will sterben, wo ich gelebt habe“, formulierte der Psychiater Klaus Dörner. Da gibt es Projekte „Menschen für Menschen mit Demenz“, in denen z.B. Arbeitlose „nachbarschaftliche“ Hilfe anbieten. Man spricht von einer „sehenden Fürsorge“. Das wird nicht ohne Konflikte gehen. Die Ausstellung zeigt denn auch die Konflikte, etwa um die eigenständige Finanzierung der ambulanten Pflege.

Die „Praxisassistentin“ knüpft im ländlichen Bereich an die Tradition der Gemeindeschwester an, so betonte Jutta Bergmann, Geschäftsführerin der Volksbanken-Stiftungen, in ihrem Grußwort. Gisbert Fuchs, Vorstandsmitglied der Hannoverschen Volksbanken, erinnerte an die Gemeindeschwester, wie er sie in seiner Jugend erlebt habe.

Zu den Förderern der Ausstellung gehören die „Stiftung Niedersächsischer Volksbanken“, die VR Stiftung, die Hannoversche Volksbank, die Klosterkammer Hannover und die Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel.

 

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