Logo Henriettenstiftung, 150 JahreHenriettenstiftung Historisches Foto: Schwester Emmy florales Jugendstil-Muster

Starke Frauen

Emanzipiert, mutig und fromm – Lebensmodell „Diakonisse“

Karen Giehsmann, Quelle: Starke Frauen (Film) Den Lebensentwurf der Diakonissen als Antwort des Glaubens führt Schwester Inge Neumann, Pflegedienstleitung des Pflege- und Therapiezentrums Fischerstraße, dem Hilde-Schneider-Haus, als ein wesentlichen Grund für das Wachstum der Henriettenstiftung an. Sie berichtete über das Leben der Diakonissen im Rahmen der Themenwoche „Starke Frauen“ des Hilde-Schneider-Hauses am Donnerstag, 29. April 2010. „Man kann nur auf den Ruf des Glaubens mit seinem Leben antworten“, betont eine noch jüngere Diakonisse in einem Film, der an diesem Nachmittag gezeigt wurde. Intensive Gespräche im Anschluss an den Vortrag verdichten die Themen dieses Tages.

Beispiele zeigen die praktische Bedeutung solcher Arbeit. Denn Arbeitsfelder in der sozialen Arbeit im Zeitalter der Industrialisierung gab es viele, aber es fehlten – wie es bei den Diakonissen hieß – die tätigen Hände. Es waren immer zu wenige Diakonissen da, die die Arbeit übernehmen konnten. So wurde Schwester Luise Steinhöfel, die 1964 ins Stift kam, bereits nach wenigen Jahren Oberin i. R. Helga Darenberg, Quelle: Starke Frauen (Film) nach Göttingen in die Gemeindepflege geschickt, die sie erst mit einfachen Mitteln aufbauen musste. Schwester Auguste Schmidt, die 1872 in die Diakonissenschaft eintrat, entwickelte eine umfangreiche Sozialarbeit im Industrieort Linden, damals noch vor den Toren Hannovers gelegen, mit Kinderkrippe, Mütterschulung und Pflegestation. Das wurde unterstützt durch eine damals noch junge Fabrik-Weberei. Und Marie Kamroth, die 1901 eintrat, erlebte die Schrecknisse des Ersten Weltkrieges mit, schrieb darüber Tagebuch und schilderte darin, wie sie z.B. die eintreffenden verwundeten Soldaten mit nur einem Handtuch pro Eisenbahnwaggon reinigen musste. Mit dem Mangel umgehen und die Not sehen und allein stehen – das war häufig genug die Not der Diakonissen in den Außenstationen.

Ute Alfeis und Joachim Döring Dabei half nicht immer das Modell des „Dienens“, das als Gegenmodell gegen die betonte Eigenständigkeit der Diakonissen und deren Leitungskompetenz nach dem Tod der ersten Oberin Emmy Danckwerts eingeführt worden war. Es übersah die Dynamik der Entdeckungen in der Medizin und den Naturwissenschaften. Doch das patriarchale Familienmodell wurde nun auch für das Mutterhaus in Hannover übernommen und das Amt des hauptamtlichen Vorstehers eingeführt. Doch die Kraft nahmen die Diakonissen aus ihrer Gemeinschaft und aus dem christlichen Glauben an Gott. So gelang es ihnen, Gedanken der Frauenbewegung aktiv aufzunehmen: Emanzipativ, mutig und fromm.

 

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